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IN VIA Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit für das Erzbistum Berlin gGmbH


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Alkoholverbot am Ostbahnhof: Sicherheit braucht soziale Lösungen

Ab dem 1. Mai 2026 führt die Deutsche Bahn ein unbefristetes Alkoholverbot im Berliner Ostbahnhof ein. Der Konsum von Alkohol sowie das Mitführen alkoholischer Getränke in geöffneten Behältnissen sind dann im Innenraum des Bahnhofs untersagt. Bei Verstößen drohen Hausverweise und Hausverbote. Die Maßnahme soll aus Sicht der Bahn zur Verbesserung von Sicherheit und Sauberkeit beitragen.

Die Berliner Caritas hat sich in einer aktuellen Pressemitteilung kritisch zu diesem pauschalen Verbot geäußert und fordert stattdessen konkrete Hilfen statt allgemeiner Verbote. Auch das Team der Bahnhofsmission am Ostbahnhof, die in Trägerschaft von IN VIA Berlin ist, teilen diese grundsätzliche Einschätzung.

Der Blick aus der Praxis der Bahnhofsmission

Nach Rücksprache mit der Deutschen Bahn ist klar: Das Alkoholverbot beschränkt sich auf den Innenraum des Bahnhofs. Das Anliegen der Bahn, einen sicheren Bahnhof für Reisende, Geschäfte und alle sich dort aufhaltenden Menschen zu gewährleisten, kann das Team gut nachvollziehen.

Gleichzeitig erlebt das Team der Bahnhofsmission am Ostbahnhof in der täglichen Arbeit, dass ein Verbot die Situation der Gäste nicht grundlegend verändert. Viele der Menschen, die zu uns kommen, kämpfen mit Wohnungslosigkeit, Suchterkrankungen oder psychischen Belastungen. Sie verschwinden durch ein Verbot nicht – sie weichen aus.

Aus unserer Sicht besteht die reale Gefahr, dass sich der Alkoholkonsum:

  • auf den Vorplatz des Bahnhofs verlagert,
  • in angrenzende Straßen,
  • oder auch direkt in den Bereich vor der Bahnhofsmission.

Der Preis für einen „sicheren Bahnhof“ im Inneren könnte somit ein unsichereres Bahnhofsumfeld sein – mit mehr Verdrängung, weniger Erreichbarkeit für Hilfsangebote und wachsenden Spannungen außerhalb des kontrollierten Bereichs.

Bahnhöfe sind Orte für alle – auch für Menschen in Not

Bahnhöfe sind für viele Gäste einer der letzten halbwegs geschützten öffentlichen Räume. Wenn Aufenthaltsmöglichkeiten weiter eingeschränkt werden, steigt der Druck auf Menschen, die ohnehin kaum Rückzugsorte haben. Aus unserer langjährigen Erfahrung wissen wir:

Verdrängung löst keine sozialen Probleme – sie verschiebt sie.

Deshalb unterstützen wir die Forderungen der Caritas ausdrücklich. Es braucht:

  • mehr aufsuchende soziale Arbeit und Streetwork, auch abends und nachts,
  • niedrigschwellige Suchthilfeangebote,
  • psychiatrische und psychosoziale Unterstützung,
  • zugängliche Sanitäranlagen und Orte zum Aufenthalt ohne Konsumzwang,
  • und ausreichende Schutz- und Unterbringungsangebote für wohnungslose Menschen.

Sicherheit durch Hilfe – nicht durch Verdrängung

Energie und Ressourcen, die in Kontrolle und Durchsetzung pauschaler Verbote fließen, wären aus unserer Sicht besser in soziale Arbeit und Hilfsangebote investiert. Wer Gewalt, Vermüllung oder Konflikte reduzieren will, muss die Ursachen angehen: Armut, Wohnungslosigkeit, Abhängigkeit und psychische Erkrankungen.

Wir stehen als Bahnhofsmission weiterhin bereit, unseren Beitrag zu leisten – für die Sicherheit im Bahnhofsumfeld und für die Menschen, die auf unsere Unterstützung angewiesen sind. Dafür braucht es eine enge Zusammenarbeit zwischen Bahn, Bezirk, sozialer Infrastruktur und Hilfsangeboten.

Nur so kann ein Bahnhof wirklich ein Ort sein, der für alle sicher ist.

Veröffentlich am 30. April 2026 um 9:03 in der Kategorie Aktuelles

Fachverband der Caritas

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