Anlässlich des Europäischen Tages gegen Menschenhandel und der Veröffentlichung des Monitor Menschenhandel 2026 des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR) weist IN VIA Berlin auf den weiterhin bestehenden Handlungsbedarf beim Ausbau von Schutz- und Unterstützungsmaßnahmen für Betroffene von Menschenhandel und Ausbeutung hin. Der Bericht macht deutlich, dass trotz wichtiger Fortschritte bei der Bekämpfung von Menschenhandel in Deutschland viele Betroffene noch immer nicht die Unterstützung und den Schutz erhalten, die sie dringend benötigen.
Menschenhandel und Ausbeutung finden in Deutschland täglich statt. Betroffen sind Frauen, Männer, nicht-binäre Personen, Jugendliche und Kinder, die unter anderem in der Sexarbeit, in Privathaushalten, in der Pflege, auf Baustellen, im Gastgewerbe oder in der Landwirtschaft ausgebeutet werden. Viele Betroffene bleiben jedoch unerkannt und erreichen bestehende Unterstützungsangebote nicht.
„Menschenhandel ist kein Randphänomen, sondern eine schwere Menschenrechtsverletzung, die mitten in unserer Gesellschaft stattfindet. Betroffene benötigen Schutz und verlässliche Unterstützung, um sich aus Ausbeutungssituationen befreien zu können“, erklärt Margarete Muresan, Leiterin des Bereiches "Beratung Menschenhandel und Streetwork in Berlin und im Land Brandenburg" bei IN VIA Berlin und Vorständin im Bundesweiten Koordinierungskreis gegen Menschenhandel – KOK e.V.
Der aktuelle Bericht des DIMR bestätigt die zentrale Rolle spezialisierter Fachberatungsstellen. Sie sind häufig die erste Anlaufstelle für Betroffene, begleiten sie bei behördlichen Verfahren, unterstützen bei der Sicherung von Wohnraum, medizinischer Versorgung und der Bearbeitung der erlebten Gewalt. „Mehr als drei Menschen suchen täglich Hilfe bei Fachberatungsstellen. Doch viele Menschen nehmen keine Unterstützung in Anspruch, aus Scham, Angst oder weil sie bedroht werden“, sagt Beate Rudolf, Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte.
Gleichzeitig arbeiten viele Fachberatungsstellen weiterhin unter unsicheren Finanzierungsbedingungen. „Eine wirksame Bekämpfung von Menschenhandel gelingt nur, wenn Betroffene überall in Deutschland Zugang zu spezialisierten Beratungs- und Schutzangeboten haben. Diese Angebote dürfen nicht von befristeten Projekten abhängen, sondern müssen dauerhaft und bedarfsgerecht finanziert werden“, so Margarete Muresan.
Der Bericht verweist auch auf die weiterhin unzureichende Versorgung mit spezialisierten Schutzunterkünften für Betroffene. IN VIA begrüßt die politischen und strukturellen Fortschritte bei der Unterstützung Betroffener. Berlin nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein: Mit einem gesamtstädtischen Konzept gegen den Handel mit und die Ausbeutung von Minderjährigen sowie einer von IN VIA Berlin getragenen Fachberatungs- und Koordinierungsstelle bei Handel mit und Ausbeutung von Minderjährigen stärkt das Land die Identifizierung Betroffener und die Gewährleistung des Kinderschutzes. Die durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie finanzierte Fachberatungsstelle unterstützt Fachkräfte unter anderem durch Fachberatung und Schulungen. Zudem erfasst Berlin als erstes Bundesland Daten zu Menschenhandel und Ausbeutung in der Kinder- und Jugendhilfe.
Hintergrund
Das DIMR veröffentlicht mit seinem zweiten Monitoring-Bericht einen aktuellen Überblick über das Phänomen Menschenhandel in Deutschland. Der Bericht wertet Daten von Bundes- und Landesbehörden sowie zivilgesellschaftlichen Akteur*innen aus. Darüber hinaus wurden die relevanten gesetzlichen Rahmenbedingungen und die aktuelle Rechtsprechung analysiert.


